Geisterstadt im Nullarbor

Wir sind von Ceduna direkt auf die A1 Richtung Perth (1940 km stand auf dem Schild) gestartet. Die Route führte uns durch den Nullarbor Nationalpark. Wieder mal stur geradeaus.
Man fühlt sich schon ein wenig klein und verloren, wenn man Kurs auf und durch den/das »Treeless Plain« nimmt… Auf einmal geht nicht nur die Straße vor einem ins Unendliche, nein! Plötzlich steht kein einziger Baum mehr. Nur flache, heideartige, karge Landschaft soweit das Auge reicht. Keinen Handyempfang, keine anderen Autos, nicht mal mehr die altbekannten Strommasten sind zu sehen. Einzig die Hitze flimmert in der Ferne vor, hinter und neben uns. Wirklich ein krasses Gefühl!

On the road

Und genau in diesem Nationalpark hatten wir uns ein Camp ausgesucht, kurz vor der Western Australia Grenze, denn wir hatten immer noch Kartoffeln und Äpfel und dergleichen, die wir abends verbrauchen wollten. Aber wieder mal kam alles anders…
86 km vor der Grenze nahmen wir die kleine Abzweigung vom Highway, auf der sich bei Kilometer 14 das Camp befinden sollte. Die Straße dorthin war abenteuerlich und die schlimmste, die unser Auto bisher überstehen musste. Riesige Steine und Schutt, tiefe Schlaglöcher und teilweise Pfützen, deren Tiefe nicht einzuschätzen war. Das Auto und uns sicher über diesen Weg zu bringen war sehr anstrengend und erforderte ein hohes Maß an Konzentration. Eine falsche Reaktion und wir brechen uns die Achse oder bekommen einen platten Reifen. Für die tatsächlich genau 14km brauchten wir daher knappe 40 Minuten.
Und als wir ankamen packte uns ein Schauer: Wir waren in einer Geisterstadt!
Zwei verlassene Gebäude, eine heruntergekommene Zapfsäule und überall herum rostige Autoleichen von Autos aus längst vergessenen Zeiten. Es war mehr als gruselig! Und davor ein Schild: »Camping fee applies« oder so. Man sollte für diesen Autofriedhof-Gruselcampingplatz auch noch Geld springen lassen!
Uns war zwar etwas mulmig zumute aber wir stiegen aus um uns den Schauplatz einmal genauer anzusehen. Ein Plumpsklo gab es und es waren auch schon Camper vor uns da, denn man hatte sich an vielen Stellen verewigt. Die verlassene Stadt war tatsächlich als Schauplatz hergerichtet und vorsichtig schauten wir uns die Gebäude und Räume an. Irgendwann hatte hier mal eine Familie gelebt. Und sie hatten ziemlich kleine Betten. Camper hatten in den uralten Elektrolux-Kühlschrank ein paar Lebensmittel gestellt und ihre Namen und das Datum hinterlassen.
Ein toller Ort für abenteuerliche Fotos, aber sicher kein Ort um im Zelt zu schlafen entschieden wir! Die Zeit war knapp aber wir konnten es über die Grenze und somit zum nächsten Camp schaffen!
Also schnell nochmal Pipi und dann nichts wie weg da. Wer weiß, welche Geister dort so rumschwirren, wenn es dunkel wird.
Auf dem Plumpsklo entdeckte ich dann noch eine Überraschung in der Ecke: Eine Redback! Mit eine der unscheinbarsten aber giftigsten Spinnen hier… Yeah, endlich mal was los hier! 😉
Das bestätigte nur unsere Entscheidung, schnell zu verduften. Schnell noch die Kartoffeln versteckt und den Plan ansgeheckt, die Äpfel offen abzugeben. Damit wir wenigstens noch die Kartoffeln zum Abendbrot hatten.

Koonalda Homestead

Der Plan ging auf: An der Grenze quatschten wir ein bisschen mit dem Grenzposten, er guckte in den Kofferraum, wir sagten dass wir noch Äpfel übrig haben. Und er nahm sie um die zu vernichten. Ist ja schließlich eine Quarantäne-Grenze… 😉
Er machte noch Scherze, indem er fragte wo unser Wein und die Schokolade sei und sagte, das müsse leider bei ihm bleiben. Wein wär schließlich aus Trauben und die dürfen nicht rüber. Für einen kurzen Moment glaubten wir es, aber beim Blick in sein Gesicht war der Scherz direkt klar. Er wollte auch auf die Rücksitze schauen, aber da Charly dort ihre Unterwäsche zum Trocknen hängen hatte, war er etwas aus dem Konzept glaube ich und schaute nicht weiter nach. Gott sei Dank denn sonst hätte er unser Müsli, das frische Brot, den Honig und die Kartoffeln gefunden. Puh!
Lebensmittel sind hier einfach zu teuer um sie kampflos abzugeben.

Hier ist jetzt schon wieder eine andere komische Zeitzone, wirklich seltsam sind die hier. Wir schlafen in Eucla am Roadhouse-Camping. Ist ganz nett hier, aber wir sind schon wieder ziemlich müde und erschlagen vom Tag. Also gehen wir früh schlafen, auch wenn nebenan im Hotel »Pretty Woman« gespielt wird…

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